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19.03.2020

Wie weiter mit LdE nach der Schulschließung wegen des Coronavirus?

Die Coronapandemie hat in allen Bundesländern dazu geführt, dass die Präsenzzeit von Schüler*innen und Lehrer*innen an Schulen ausgesetzt wurde. Die Schulschließungen haben natürlich auch Auswirkungen auf bereits begonnene LdE-Projekte.

Wir möchten an dieser Stelle betroffenen Lehrer*innen gerne ein paar Tipps geben, wie sie weitermachen können, wenn die Schulen wieder öffnen. Die Vorschläge beziehen sich in erster Linie auf LdE-Projekte, die über einen langen Zeitraum laufen, also z.B. als Wahlpflichtkurse oder als mehrwöchige Projekte im Fachunterricht.

Dazu haben wir drei zeitliche Szenarien entwickelt. Vorschläge für Aufgaben im Homeschooling finden Sie weiter unten in Szenario Nr. 3.

Für individuelle Herausforderungen oder Beratungswünsche stehen wir Lehrkräften/ Schulleiter*innen und Schulpädagog*innen aus Sachsen-Anhalt gerne zur Verfügung. Hier finden Sie unsere Kontaktdaten.

Szenario 1: Die Schüler*innen wurden durch die Schließung der Schulen abrupt aus ihren bereits begonnenen LdE-Projekten gerissen.

Die Schulen sind aber nach 4-5 Wochen wieder geöffnet. Bis zum Schuljahresende sind es noch 2-3 Monate.

 

Die Herausforderungen sind:

1. Der Schutz der Schüler*innen und der Menschen, denen sie im Engagement helfen wollten, steht an erster Stelle.

Haben einige Engagementpartner vielleicht Bedenken, junge Menschen in ihre Organisationen, z.B. in das Altenheim oder die Begegnungsstätte zu lassen?

 

Bevor die Schüler*innen wieder direkt zum Engagement-partner gehen, steht am Anfang also eine Abfrage, welche Kooperationspartner überhaupt weitermachen wollen. Diese Abfrage kann durch die Schüler*innen selbst vorgenommen werden, ggf. sollten Sie die Schüler*innen aber dabei unterstützen, Zweifel bei den Kooperationspartnern auszuräumen.

 

Im schlechtesten Fall kündigt der Engagementpartner den Kooperationsvertrag. Dann:

  • überlegen Sie gemeinsam mit den Schüler*innen, welches alternative Engagement möglich ist. Gibt es zum Beispiel Interesse daran, Briefe an ältere Menschen zu schreiben oder einen Videogruß zu versenden. Sind vielleicht sogar Skype-Treffen mit den Bewohner*innen eines Altenheims möglich? Versuchen Sie also direkte Engagements in indirekte, digital-gestützte, forschende oder anwaltschaftliche Engagements umzuwandeln.
  • lassen Sie die Schüler*innen Recherchen zu den Hintergründen von gesellschaftlichen Entwicklungen durchführen und Kampagnen zu gesellschaftlichen Themen entwickeln. Der Schwerpunkt liegt dann eher auf dem Lernen als auf dem Engagement.
  • reflektieren Sie mit den Schüler*innen das Ende der Beziehungen zu den Engagementempfänger*innen und dem Kooperationspartner und fangen Sie Enttäuschungen gut auf, indem Sie neue Perspektiven für das restliche Schuljahr eröffnen.
  • reflektieren Sie mit den Schüler*innen die gesellschaft-liche Bedeutung des Engagements, um den Schüler*in-nen trotzdem Selbstwirksamkeitserfahrungen zu er-möglichen.
  • sprechen Sie mit dem außerschulischen Kooperations-partner, ob eine neue Kooperationsbeziehung im neuen Schuljahr möglich ist und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

2. Die Schüler*innen haben einen Motivationsknick oder fin-den schlecht wieder in ihr Projekt zurück.

 

Laden Sie alle Schüler*innen am Anfang zu ein bis zwei gemeinsamen Reflexionsrunden in die Schule und besprechen Sie mit ihnen, wie es jetzt weitergehen kann. Was war der letzte Stand? Sind die Ziele noch realistisch oder müssen sie ggf. abgespeckt werden? Welche Befürchtungen haben die Schüler*innen? Was denken die Schüler*innen, was der Kooperationspartner nun von ihnen erwartet?

 

3. Die Projektlaufzeit ist nun sehr verkürzt.

 

Passen Sie die Projektpläne und die Zielstellungen mit den Schüler*innen gemeinsam an.

Szenario 2: Die Schüler*innen wurden durch die Schließung der Schulen abrupt aus ihren bereits begonnenen LdE-Projekten gerissen.

Die Schulen schließen länger als zwei Monate. Es bleibt bis zum Ende des Schuljahres nur noch wenig Zeit übrig.

 

Die Herausforderung ist:

Hier gilt es abzuwägen, ob eine Weiterführung der Engagements in den sozialen Organisationen sinnvoll ist. Wir empfehlen Ihnen in diesem Fall lieber eine ausführliche Abschlussphase einzuläuten, in der sie die folgenden sechs Punkte in Ruhe abarbeiten:

 

1. Die Schüler*innen brauchen Zeit, um sich vom Engagementpartner und von den Empfänger*innen des Engagements zu verabschieden und ein Feedback für ihr Engagement einzuholen. Wenn es nicht anders geht, kann die Kontaktaufnahme auch durch Telefongespräche, Briefe und E-Mails erfolgen.

 

2. Lassen Sie die Schüler*innen ihre Lerntagebücher, Portfolios, Abschlusspräsentationen bis zum Engagementtag X vervollständigen und formgerecht abgeben.

 

3. Reflektieren Sie mit den Schüler*innen den Projektverlauf, den gesellschaftlichen Kontext des Engagements, den Zusammenhang zwischen den bisherigen Erfahrungen und dem Gelernten und das persönliche Befinden nach dem Abbruch.

 

4. Wenn Sie am Anfang einen Befürchtungs- und Erwartungsabfrage gemacht haben, werten Sie diese am Ende unbedingt noch aus. Gleiches gilt für alle Reflexionsmethoden, die nach der Logik „vor Beginn und Auswertung nach Abschluss des Engagements“ aufgebaut sind, z.B. „Brief an mich selbst“.

 

5. Planen Sie eine kleine Anerkennungsaktion, z.B. Eisessengehen.

 

6. Geben Sie den Schüler*innen eine abschließende Bewertung, ein Feedback und ein Zertifikat für die geleisteten Engagementstunden.

 

Grafik: Nora Kühnhausen



Szenario 3: Die Schulen öffnen nicht mehr in diesem Schuljahr oder nur noch sehr kurz vor Beginn der Sommerferien.

 

Die Herausforderungen sind:

  1. Es gilt, das Engagement der Schüler*innen nicht völlig im Sande verlaufen zu lassen.

Für die bei LdE so wichtige Wertschätzung und Anerkennung empfehlen wir Ihnen im neuen Schuljahr ein Zeitfenster zu schaffen, um den Schüler*innen für ihr Engagement zu danken und die Zertifikate zu überreichen.

Denken Sie auch daran, den Engagementpartnern zu danken und erinnern Sie die Schüler*innen daran, dass sie sich wenig-stens kurz von ihren Partnerorganisationen und den Menschen, für die sie sich engagiert haben, verabschieden.

 

2. Es soll eine sinnvolle Bewertung der Kurse oder der langfristigen Engagements im Fachunterricht gewährleistet bleiben.

 

Übermitteln Sie den Schüler*innen Aufgaben für das Homeschooling, zum Beispiel:

  • Präsentationen erstellen lassen: mit Infos zum außerschulischen Engagementpartner (also z.B. Trägerprofil, Leitbild, Größe etc.), zum bisherigen Projektverlauf und mit den Antworten zu gestellten Reflexionsfragen
  • Schriftliche Arbeiten zum gesellschaftlichen Kontext des Engagements vergeben: Wenn sich Schüler*innen zum Beispiel für ältere Menschen engagieren, können sie sich mit den dafür relevanten Themenbereichen auseinandersetzen: demografische Entwicklung in der BRD, Vereinsamung in der Gesellschaft und weitere – je nachdem, wie es zu den mit LdE verbundenen Fächern passt.
  • Internet-Rechercheaufgaben verteilen: Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf ältere Menschen und welche auf die Kleinkinder, die die Schüler*innen sonst in ihrem Engagement in der Kita begleiten? Welche neuen Engagementformen entstehen gerade in Halle/ in der BRD/ in anderen Ländern im Zuge der Pandemie?
  • Kreatives Brainwriting (eine*r fängt an, dann wird im Klassenforum oder –chat ergänzt) zu einem Thema, z.B.: Wie erkennt man Fake News zu Corona und wie kann man sie mit einem Engagement widerlegen? Wie kann man Kontakt zur Zielgruppe des Engagements aufbauen, wenn man niemandem begegnen darf? Wie kann das direkte Engagement in ein „kontaktloses“ Engagement für das gleiche Thema umgewandelt werden?